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Von Manfred Becker-Huberti

Das heutige Martinsfest

Sankt Martin tritt heute als gabenbringender Bischof (im Rheinland auch als Soldat) auf. Teilweise vermischt sich das Martinsbrauchtum mit dem Nikolausbrauchtum. In Niederbayern (Pelzmärte) und in den Alpenländern treten vermummte Gestalten (Buttnmandel, Butzemärtel, Junker Martin, Klausen, Strohschab, Schellenmärte, Nussmärte, Knecht Ruprecht) auf, die Lärm erzeugen. Im unteren Böhmerwald gehen die Burschen mit Peitschen und Kuhglocken vor das Dorf den Wolf austreiben. In Altbayern heißt der Brauch Umschnalzen, in der Steiermark Herbsteinschnalzen. In Wörgl (Unterinntal) zogen am Martinstag gehörnte Masken umher. In Tiroler Orten wird vom Martinsgestampfe erzählt, einem Umzug, mit dem man einen wilden Riesen, den „wilden Ochsner“ und „Alberer“, vertrieb oder aber den Martinsvogel, ein „fuiriger höllischer“ Drache, der Schrecken verbreitet. Der Abwehr der zwergähnlichen Kasmanndln galt das Kasmanndlfahrn oder Alpererfahrn (Kitzbühl). In Salzburg zogen Burschen mit Peitschen, Schellen und Büllhäfen (= Rummelpott, Horniskrug) zum Wettrangeln. Im Bayerischen Wald kennt man das ähnliche Wolfablassen.

Weckmänner und Martinsfeuer

Die im Rheinland noch gegenwärtigen Brauchformen haben sich aus der Liturgie entwickelt: Das Entzünden des Lichtes in der Dunkelheit. Das Sammeln des Brennholzes führte das Heischen ein. Der Weckmann (Stutenkerl oder Piepenkerl im Westfälischen; Hefekerl in der Schweiz; Kloskählsche in Neuss, aber auch Printenmann, Hanselmann, Klasenmann, Jahresmann) ist das zum Tag gehörige Gebildebrot. Aus dem mittelalterlichen Martinsfeuer wurde im 19. Jahrhundert bei der Neubelebung in der Romantik das Basteln von Martinslampen (Mätesköppe, Meetesköppe, Martinsfackeln, Martinslampions) und der Martinszug durch die Gemeinde mit einem Martin als römischer Offizier zu Pferde. Dabei macht es wenig, dass nach allgemeiner Vorstellung der römische Offiziersmantel rot zu sein hat. Die chlamys, so hieß der Offiziersmantel, Martins war weiß gewesen, weil Martin bei der kaiserlichen Garde diente. Als der Name chlamys vergessen war, wurde er durch das lateinische cappa ersetzt, wodurch der Aufbewahrungsort der cappa zur capella und der zuständige Geistliche zum capellanus wurde.

Martin Luther und der heilige Martin

In protestantischen Gegenden, in denen Martini auch gefeiert wird, bezieht sich die Feier auf Martin Luther, dessen Geburtstag am 10. November auf den Tag fällt, an dem die Kinder dieses heiligen Bischofs gedenken, auf dessen Namen auch Martin Luther getauft wurde. Die Umdeutung des Brauchs hat die Formen des Brauchs dort nicht geändert, wo der Brauch fortlebte. Der unter Protestanten gebräuchliche Vorname Martin ist eine Reverenz an Martin Luther, nur indirekt eine Erinnerung an Sankt Martin. Die Namensbildung Martin Luther King belegt diese Tradition. Wie geradezu genial variabel Brauchtum ist, zeigt sich ökumenisch darin, dass die in katholischen Gegenden Martinshörnchen genannten tagestypischen Gebäcke in evangelischen Gegenden exakt genauso auftauchten, aber unter dem Namen Lutherbrötchen existierten. Auch für Martinslieder lässt sich vergleichbares ökumenisches Vagabundieren des Liedgutes nachweisen.

Materialien zum Martinsfest

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Alle, die in der Kindertagesstätte, Schule oder Gemeinde das Martinsfest vorbereiten, finden in unseren Materialien zahlreiche Anregungen zur Gestaltung und Umsetzung: Geschichten, Lieder, Gottesdienstbausteine, Bastelideen und ein großes Aktionsplakat.

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Das Sternsingen ist im Dezember 2015 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.