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Von Manfred Becker-Huberti

Die lange Tradition der Martinsverehrung

Auch außerhalb des Frankenreiches verbreitete sich die Martinsverehrung schnell. Der älteste römische Ort seiner kultischen Verehrung ist die Kirche San Martino al Monti auf dem Colle Oppio, einer kleinen Erhebung des Esquilin-Hügels, eine Martinskirche, deren Anfänge in das 5. Jahrhundert zurückreichen. Nachweislich wurde der im Volksglauben „apostelgleiche“ Sankt Martin im 5. Jahrhundert bereits als Heiliger angerufen; Martin war in der Westkirche der erste heilige Nichtmartyrer, der sein Glaubenszeugnis durch sein bekennendes Leben (confessor) abgelegt hat. Martin personifiziert als Römer in Gallien den Übergang des heidnischen Reiches in das Christentum. Er wurde Patron des christianisierten Frankenreichs. Sein Kult verbreitete sich im Reich der Franken und vor allem nach Nordwestdeutschland, wo ihm erste Kirchen geweiht wurden (Nottuln unter Karl dem Großen). Gerade in der Karolingerzeit wurden dem Heiligen zahlreiche Kirchen geweiht, vielfach frühmittelalterliche Königsgüter. Besonders häufig ist Sankt Martin im Trierer und Kölner Raum als Kirchenpatron und Volksheiliger anzutreffen, wo er auch im Volksbrauchtum lebendig blieb (In der Stadt Köln war Martinus sogar Patron von zwei Kirchen: Groß-Sankt Martin, ehemals auf einer Rheininsel gelegen, war ein vorkarolingisches Schottenkloster; Klein-Sankt Martin wurde eine der fünf Altstadtkirchen genannt, die zum Kloster gehörte).

In der darstellenden Kunst wird Martin vor allem als Ritter (= Reiter) auf weißem (!) Pferd (ein Schimmel charaktersiert einen Heiligen) dargestellt und steht damit neben den beiden anderen Rittgergestalten Michael und Georg. Seltener wird Martin als Bischof mit einer strahlenden Hostie über dem Haupt oder als Bischof mit einer Gans dargestellt.

In der gallikanischen Liturgie war Martini der letzte Festtag vor der sechswöchigen (!) Advent- und Fastenzeit (= Epiphaniasfastenzeit, Epiphaniasquadragesima, Quadragesima Martini, Weihnachtsfasten, Adventfastnacht), der - wie alle hohen Feiertag - mit der ersten Vesper am Vorabend, dem Lucernarium (d.h. Zeit des Lampenanzündens), begann. Der Martinstag hatte in der frühen Kirche einen Schwellenfest-Charakter wie Aschermittwoch. Gänsmartin wurde der dies Sancti Martini auch genannt und war damit, neben dem Hasenbartl und dem –Schweinethomas, einer der drei Heiligen- und Schmaustage.

Martin als christlicher Name

Der lateinische Vorname Martinus, nimmt Bezug auf den Kriegsgott Mars. Man könnte den Namen übersetzen als „zum (Kriegsgott) Mars gehörend“ oder „Kämpfer, Kriegerischer“. Seit dem Tod Martin von Tours ist Martin ein christlicher Vorname. Im Dialekt wird aus Martin auch Mätes (Vorname) oder Martini, Merten, Mertens (Familienname). Nach Gregor von Tours, neunzehnter Bischof in Tours von 573 - 594, hatte schon Perpetuus, der sechste Bischof von Tours (ca. 461 - 491), der anstelle des Oratoriums über dem Grab des Martin eine Basilika errichtete, die liturgische Verehrung von Sankt Martin angeordnet.

Martin als Name des Papstes

Drei Päpste haben sich den Namen Martin gewählt: Martin I. (649 - 653/655), Martin IV. (1281 - 1285) und Martin V. (1417 - 1431). Päpste mit dem Namen Martin II. und Martin III. hat es nicht gegeben, denn die mittelalterlichen Papstlisten hatten durch einen Schreibfehler die Päpste Marinus I. und Marinus II. als Martin II. und Martin III. geführt. Papst Martin V. war an einem 11. November gewählt worden.
In Deutschland erwählten die Bistümer Mainz und Rottenburg-Stuttgart den heiligen Martin zum Patron, in Österreich das Bistum Eisenstadt. Im Mainzer Stadtsiegel thront Martin inmitten eines romanischen Gebäudes. Das Patrozinium des Heiligen haben auch das Burgenland und das Schweizer Kanton Schwyz gewählt. Als Schutzpatron tritt Sankt Martin bei Ländern und Armeen, Rittern, Soldaten, Reisenden, Flüchtlingen, Huf- und Waffenschmieden, Alpenhirten, Bettlern, Tuch-, Kappen- und Handschuhmachern, Webern, Gerbern, Schneidern, Bauern, Hirten, Winzer, Gastwirten, Hoteliers, Müller und Zechern (!) und Tieren (Pferde, Hunde, Vögel) auf.

Martin als Ortsname

Als Namensgeber benennt er die Insel Martinique, eine tropische Vulkaninsel der Kleinen Antillen, Quellen und zahlreiche Ortschaften. Auch der deutsche Reformator Martin Luther hat seinen Vornamen von Sankt Martin erhalten. Am Martinsabend geboren, nannten ihn seine Eltern 1483 nach dem großen Vorbild. Nach dem Vorbild von Martin Luther handelten wiederum die Eltern von Martin Luther King (1929 - 1968).
Es ist ungeklärt, wie viele Ortsbezeichnungen auf den heiligen Martin zurückgehen. Allein „Martin“ werden Orte in Bolivien, der Dominkanischen Republik, Großbritannien, Haiti, Kanada, Kolumbien, Kroatien. Malediven,  Sierra Leone, Slowakien, Spanien, Syrien, USA und  Venezuela genannt. Der Heilige taucht aber auch in Orttsbezeichnungen wie Martin City, Martin Corner, Martin Creek, Martin House, Martin Place und zahlreichen anderen Verbindungen von Martin mit einer Ortspezifizierung auf. Das gilt auch für die zahllosen zusammengeschriebenen Worte wie Martinau in Tirol/Österreich oder Martinsborough in Neuseeland. In Deutschland bildet sich aus Martin auch Merten, das in Nordrhein-Westfalen gleich zweimal vorkommt, aber auch in Frankreich und in Wortverbindungen auftaucht wie Mertenberg, Mertendorf, Mertener Heide, Mertens usw. Den Ortsnamen Sankt Martin trifft man wiederum in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Saint Martin in Frankreich, den USA, Kanada, Großbritannien und auf Barbados. 

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Das Sternsingen ist im Dezember 2015 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.