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Eritrea

„Das Land zu verlassen, ist keine Lösung!“

Immer mehr Eritreer verlassen ihre Heimat. Ein Viertel der Bevölkerung ist auf der Flucht. Vor allem junge Männer wollen sich dem harten Militärdienst in dem isolierten Land entziehen. Die Arbeit der Kirche wird vom Staat toleriert, aber in keiner Weise unterstützt, berichtet unser Projektpartner Abba Uqbagaber Woldeghiorghis, Generalsekretär des Katholischen Sekretariats der Diözese Keren, im Interview. Die katholische Kirche leitet in Eritrea über 60 Schulen und Kindergärten, die vom Kindermissionswerk unterstützt werden. Damit versuchen unsere Partner, der jungen Generation eine Kultur des Friedens zu vermitteln.

Wie ist derzeit die Situation für junge Menschen in Eritrea?

Der schlimmste Feind in unserem Land ist die Armut. Wobei es unterschiedliche Arten von Armut gibt. In Eritrea gibt es keine intellektuelle Armut. Die Menschen sind klug und fleißig. Doch sie leiden unter der politischen Instabilität im Land. Viele, vor allem junge Menschen, fühlen sich dazu gezwungen, auszuwandern. - Aus unterschiedlichen Gründen: Aus finanziellen, wegen familiärer Probleme, aus Armut und auch der harte Militärdienst ist ein wesentlicher Grund.

Was macht die politische Unsicherheit mit der jungen Generation?

Unsere Kinder haben das Bild von Konflikten ganz tief in ihrem Kopf. Krieg, Krieg, Krieg, der immer weitergeht. Sie haben niemals Frieden erlebt. Das hat große Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Wenn es keinen Frieden im Land gibt, gibt es auch keinen Frieden in der Familie. Und wenn es in der Familie keinen Frieden gibt, dann gibt es auch keine Friedensmentalität in der jungen Generation. Die jungen Leute riskieren ihr Leben, um zur Grenze zu kommen, zum Sudan oder anderen Gebieten. Wie viele von ihnen sind dabei gestorben? - Das ist das schlimmste Problem, für das wir eine Lösung finden müssen.

Was tun Sie in Ihren Schulen, um das zu ändern?

Wir versuchen in der jungen Generation eine Kultur des Friedens zu entwickeln. Das hat in all unseren Einrichtungen Vorrang. Die Kinder sollen ein friedliches Miteinander kennen lernen und wunderbare Dinge erleben, die ihren Geist und ihr Herz beeinflussen. Sie werden die Früchte unseres Landes sein. Sie werden im Land bleiben. Weil sie verstehen, dass das Gras auf der anderen Seite nicht grüner ist.

Neben der politischen Instabilität kämpft Eritrea mit einer extremen Dürre. Was bedeutet das für die Menschen?

Die Preise für Lebensmittel sind momentan sehr hoch, während die Preise für das abgemagerte Vieh sehr niedrig sind – vor allem in den von der Dürre betroffenen Gebiete. Wir haben als Kirche ein gut funktionierendes Netzwerk im Land, aber wir können mit unserer Infrastruktur nicht die grundsätzliche Versorgung mit Lebensmitteln gewährleisten. Wir verteilen Nahrungsmittel in unseren Schulen und Kindergärten.

Was tut die Regierung gegen das Ernährungsproblem?

Sie tut nicht wirklich etwas dagegen.

Was wünschen Sie der Jugend Eritreas für die Zukunft?

Mein Wunsch ist vor allem, dass die junge Generation im Land bleibt, in ihrer Heimat. Aber wir können sie nicht nur mit Worten überzeugen, sondern müssen das mit Fakten tun. Die Kirche gibt ihr Bestes, um den jungen Leuten zu helfen. Aber wir brauchen auch Unterstützung von der Regierung. Die junge Generation will ein besseres Leben und eine bessere Ausbildung, eine bessere Gesundheitsversorgung und bessere Zukunftsaussichten. Aber das ist das Schwierige. Von daher ist es meine Bitte an all die Unterstützer des Kindermissionswerks, uns dabei zu helfen, den jungen Menschen in Eritrea eine Perspektive zu geben, damit sie in ihrer Heimat bleiben können. Die Probleme unseres Landes sollten wir gemeinsam in unserem eigenen Land lösen. Zuhause bleiben, das ist die Lösung. Wegzugehen ist keine.

SO hilft das Kindermissionswerk


Bau von Schultoiletten
und Aufklärungsprogramm für Kinder und Jugendliche zur Verbesserung der hygienischen Bedingungen in der Schule.


Bau einer weiterführenden Schule, um den Jugendlichen gute Zukunftschancen zu ermöglichen und sie so vor der gefährlichen Migration zu schützen.

Finanzierung der Gehälter von 25 Lehrern an katholischen Grundschulen in ländlichen Regionen, in denen es keine staatlichen Schulen gibt. Ohne diese Schulen könnten die Kinder dort erst zwischen 10 und 12 Jahren eingeschult werden.

Unser Spendenkonto
IBAN: DE 95 3706 0193 0000 0010 31
BIC: GENODED1PAX


Das Sternsingen ist im Dezember 2015 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.