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Indien

Netzwerk gegen Ausbeutung von Kindern

Viele Kinder und Jugendliche sind am Bahnhof von Bangalore auf sich allein gestellt. Täglich kommen Dutzende neue an, ohne genau zu wissen, wie die Reise weitergeht. Meist sind sie von zu Hause weggelaufen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Die soziale Ungleichheit in Indien ist riesig. Viele Familien leben in prekären finanziellen oder auch sozialen Situationen, was häufig zu Konflikten führt. „Streit, Gewalt oder Vernachlässigung sind häufig Gründe dafür, dass Kinder von zu Hause weglaufen“, weiß Pater George. Der Leiter der Bangalore Oniyavara Seva Coota, kurz BOSCO, hat direkt am Hauptbahnhof der indischen Acht-Millionen-Metropole mit seinem Team eine Anlaufstelle für Straßenkinder aufgebaut.

Zehn bis 15 Mädchen und Jungen können die Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer täglich auffangen und sie so vor den Gefahren auf der Straße schützen. Allein werden die Kinder schnell Opfer von Kriminellen, die sie mit großzügigen Versprechungen für ausbeuterische Arbeit in Hotels oder Privathaushalten anwerben wollen. Gewalt, Krankheit, Hunger, Drogenmissbrauch und sexuelle Ausbeutung bestimmen oft den traurigen Alltag der Kinder ohne Familie.

„Oberstes Ziel ist es, schnellstmöglich mit den Eltern in Kontakt zu kommen." (Pater George, Leiter BOSCO)

Je schneller das gelingt, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Kinder zu ihren Familien zurückkehren können. „Dabei ist es wichtig, möglichst alle Familienmitglieder mit einzubeziehen. Und alle sollten psychologisch begleitet und gestärkt werden.“ Der Grund weshalb die Kinder weglaufen, wird dabei sehr ernst genommen und auch nach der Rückführung wir die Familie ein Jahr lang begleitet.

So hilft BOSCO:

  • Oberstes Ziel ist es, die Kinder wieder in ihre Urspungsfamilie zu integrieren.
  • Ist eine direkte Rückführung nicht möglich, werden die Kinder und Jugendlichen bis zu neun Monate in einem der BOSCO-Zentren aufgenommen, bis alle Beteiligten für eine Familienzusammenführung bereit sind.

  • Ist diese nicht möglich, weil die Kinder keine Eltern mehr haben oder weil sie nicht zu ihrer Familie zurück können, werden sie dauerhaft in einem der BOSCO-Zentren untergebracht.
  • Allein im Jahr 2014 hat BOSCO 6.484 Straßenkinder begleitet, drei von vier Kindern konnten wieder mit ihren Familien zusammengeführt werden. 7.303 Eltern bzw. Familienangehörige wurden zusätzlich begleitet.