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Kolumbien

Kindern einen Weg aus dem Krieg zeigen

Seit mehr als 50 Jahren stehen sich in Kolumbien Guerilla-Bewegungen, Paramilitärs, Drogenhändler sowie Streitkräfte und Polizei in einem bewaffneten Konflikt gegenüber. Sieben Millionen Menschen wurden bislang infolge der Gewalt vertrieben, mehr als 220.000 getötet.

Auch Kinder und Jugendlichen werden in den Krieg mit hineingezogen. Sie werden als Spitzel, Kuriere oder Kindersoldaten bewaffneter Gruppen missbraucht oder von verfeindeten Gruppierungen gefangengenommen, gefoltert oder hingerichtet.

Das Trauma verarbeiten

Doch die internationale Staatengemeinschaft schöpft nun Hoffnung: Am 24. August 2016 unterzeichneten die Regierung Kolumbiens und die Guerillabewegung FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) ein Friedensabkommen – nach mehr als dreieinhalb Jahren Verhandlungen. Vielen gibt es Hoffnung, dass einer der längsten Bürgerkriege der Welt bald beendet sein wird. Doch Frieden kehrt in das Land nicht allein durch den formalen Akt der Vertragsunterzeichnung zurück – vor allem nicht, solange andere Guerilla- und paramilitärische Gruppen weiter agieren. Für einen dauerhaften Frieden bedarf es auch eines wirtschaftspolitischen Wandels, der weiten Teilen der Bevölkerung eine Lebensperspektive eröffnen würde. Nicht zuletzt müssen die Menschen die traumatischen Kriegserfahrungen überwinden und Wege zur Versöhnung finden.

Ein wichtiger Projektpartner des Kindermissionswerks ist die Organisation „Benposta“. Seit Jahrzehnten setzt sie sich für die Rechte und den Schutz vertriebener, missbrauchter und traumatisierter Kinder und Jugendlicher ein.

Chronologie

Friedensprozess in Kolumbien


Dem Friedensabkommen zwischen Regierung und FARC-Guerilla gingen langwierige Verhandlungen und Jahrzehnte von Gewalt und sozialer Spaltung voraus. Die Eckdaten:

24. August 2016: Kolumbianische Regierung und FARC einigen sich in einem gemeinsamen Kommuniqué auf ein umfassendes Friedensabkommen. Am 2. Oktober 2016 soll die Bevölkerung über den Friedensvertrag abstimmen.

8. August 2016: Kolumbianische Regierung und FARC einigen sich auf einen konkreten Zeitplan zur Umsetzung des Waffenstillstands und der Entwaffnung der Rebellen.

23. Juni 2016: Kolumbianische Regierung und FARC verständigen sich auf einen „definitiven Waffenstillstand“. Beide Parteien einigen sich darauf, dass die Rebellen die Waffen niederlegen und ihre Sicherheit gewährleistet wird.

7. Juli 2016: Eine Einheit der FARC, die „Front Armando Ríos“, kündigt die Fortsetzung des bewaffneten Konflikts an. Die Friedensgespräche hätten nur dem Ziel gedient, die Guerilla zu entwaffnen, nicht jedoch einen Wandel des Wirtschaftssystems herbeizuführen.

6. Juni 2016: Kolumbiens rechtsgerichtete Oppositionspartei „Demokratisches Zentrum“ rund um den ehemaligen Präsident Álvaro Uribe, startet eine Kampagne gegen den geplanten Friedensvertrag zwischen kolumbianischem Staat und FARC.

Die vollständige Chronologie finden Sie hier

So hilft unser Projektpartner Benposta

  • Die oft schwer traumatisierten Kinder werden therapeutisch begleitet und erfahren einen strukturierten Alltag ohne Angst.
 So finden sie nach und nach wieder zu sich selbst und können – häufig nach mehrjähriger Unterbrechung des Schulbesuchs – die zu Benposta gehörende Schule mit speziell ausgebildeten Lehrern besuchen.

  • Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Friedenserziehung und Gewaltprävention.

  • Großer Wert wird auch auf Selbstorganisation und Partizipation gelegt: Die Kinder und Jugendlichen organisieren ihren Alltag selbst und wählen einen eigenen „Bürgermeister“ für ihre 
„Stadt der Kinder“. So lernen sie, wie Demokratie funktioniert und was es heißt, die eigene Gesellschaft mitzugestalten.

  • Jedes Kind bleibt so lange bei der Organisation, bis die Rückkehr in seinen Heimatort möglich ist. Oft sind die Kinder so sehr in den Konflikt verwickelt, dass sie mehrere Jahre in den Zentren bleiben müssen. In dieser Zeit werden sie von ihren Eltern besucht und unterstützt.

  • Der zweite Pfeiler der Arbeit von Benposta ist die Betreuung von Kindern und Jugendlichen innerhalb einer Gemeinde. Die Organisation versucht dabei vor allem, die Zwangsrekrutierung gefährdeter Kinder durch eine der Konfliktparteien zu verhindern. In Zusammenarbeit mit anderen NGOs und den jeweiligen Bistümern werden Kinder in vorläufige Pflegefamilien aufgenommen und besuchen eine nahgelegene Schule.