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Brasilien

Kinder für ihre Rechte stark machen

Kinder, die in Brasilien in Favelas, den Armenvierteln, aufwachsen, sind ständigen Gefahren ausgesetzt: Polizeiübergriffe, Drogenhandel, sexuelle Ausbeutung beherrschen ihren Alltag.

Seit 1991 arbeitet die Organisation SER („Se essa rua fosse minha“ – „Wenn diese Straße mir gehören würde“) mit Kindern und Jugendlichen aus Armenvierteln im Großraum Rio de Janeiro. SER rückt die prekäre Situation der Kinder ins Blickfeld der Öffentlichkeit und unterstützt sie dabei, sich für ihre eigenen Rechte starkzumachen, und ein Bewusstsein für ihre Gemeinschaft zu entwickeln.

SER organisiert zum Beispiel Ausstellungen, Fußballturniere oder eine Zirkusgruppe. Außerdem leistet die Organisation praktische Lebenshilfe und unterstützt bei Arztbesuchen oder Behördengängen. Jährlich profitieren rund 750 Kinder und Jugendliche von der Arbeit der Organisation.

„Nur wenn sie einen Blick für Ungleichheit und Unrecht in ihrer Lebenswelt haben, werden sie sich für ihre Rechte einsetzen.“

Natália Bittar, pädagogische Leiterin bei SER

Die Kinder lernen, ihr gewohntes Umfeld und ihre Lebensbedingungen infrage zu stellen: Warum sind die Straßen im Stadtzentrum zum Beispiel sauber und die in den Favelas nicht. Warum ist man anders als in der Innenstadt in der Favela nicht sicher? Und warum können die Bandenmitglieder der Favelas verbieten, dass man auf der Straße spielt und tobt? „Dass sie in ihren Rechten beschnitten werden, ist eine Grunderfahrung dieser Kinder“, sagt Natália Bittar, die pädagogische Leiterin von SER. „Wir bringen ihnen bei, dass sie als Mitglieder der Gesellschaft Rechte haben, für die sie eintreten dürfen.“

Die Arbeit trägt Früchte: Angeleitet durch SER gehen die Kinder und Jugendlichen der Favelas regelmäßig für soziale Gerechtigkeit, Mitbestimmung, bessere Bildung und Krankenhäuser auf die Straße. Und auch gegen Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Mega-Events wie der FIFA Fußballweltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Spielen 2016.

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