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Kolumbien

Kindern einen Weg aus dem Krieg zeigen

Seit mehr als 50 Jahren stehen sich in Kolumbien Guerilla-Bewegungen, Paramilitärs, Drogenhändler sowie Streitkräfte und Polizei in einem bewaffneten Konflikt gegenüber. Sieben Millionen Menschen wurden bislang infolge der Gewalt vertrieben, mehr als 220.000 getötet.

Auch Kinder und Jugendlichen werden in den Krieg mit hineingezogen. Sie werden als Spitzel, Kuriere oder Kindersoldaten bewaffneter Gruppen missbraucht oder von verfeindeten Gruppierungen gefangengenommen, gefoltert oder hingerichtet.

Das Trauma verarbeiten

Doch die internationale Staatengemeinschaft schöpft nun Hoffnung: Nach mehr als dreieinhalb Jahren Verhandlungen unterzeichneten die Regierung Kolumbiens und die Guerillabewegung FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) Ende 2016 einen Friedensvertrag. Vielen gibt es Hoffnung, dass einer der längsten Bürgerkriege der Welt bald beendet sein wird. Doch Frieden kehrt in das Land nicht allein durch den formalen Akt der Vertragsunterzeichnung zurück – vor allem nicht, solange andere Guerilla- und paramilitärische Gruppen weiter agieren. Für einen dauerhaften Frieden bedarf es auch eines wirtschaftspolitischen Wandels, der weiten Teilen der Bevölkerung eine Lebensperspektive eröffnen würde. Nicht zuletzt müssen die Menschen die traumatischen Kriegserfahrungen überwinden und Wege zur Versöhnung finden.

Ein wichtiger Projektpartner des Kindermissionswerks ist die Organisation „Benposta“. Seit Jahrzehnten setzt sie sich für die Rechte und den Schutz vertriebener, missbrauchter und traumatisierter Kinder und Jugendlicher ein.

Chronologie

Friedensprozess in Kolumbien


Dem Friedensabkommen zwischen Regierung und FARC-Guerilla gingen langwierige Verhandlungen und Jahrzehnte von Gewalt und sozialer Spaltung voraus. Die Eckdaten:

23. November 2017: Ein Jahr nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags mit den FARC-Rebellen nehmen Gewalt und Menschenrechtsverletzungen in Teilen Kolumbiens wieder zu. Laut Amnesty nutzen andere Guerilla-Gruppen das Machtvakuum.

12. Oktober 2017: Die nächsten zwölf Jahre darf keine Regierung Kolumbiens das zwischen dem kolumbianischen Zentralstaat und der FARC geschlossene Friedensabkommen inhaltlich verändern, entscheidet das Oberste Verfassungsgericht.

5. September 2017: Kolumbien steht vor einem weiteren Meilenstein für eine friedliche Zukunft: Unmittelbar vor dem Papstbesuch einigen sich die ELN-Guerilla und die Regierung von Präsident Santos auf einen mehrmonatigen Waffenstillstand.

4. September 2017: Mit altem Kürzel aber neuem Namen tritt die FARC in das politische Leben Kolumbiens ein. Parlamentssitze sind ihr schon sicher.

27. Juni 2017: Der Bürgerkrieg zwischen Farc und kolumbianischer Regierung ist endgültig Geschichte: Die Entwaffnung der linksgerichteten Rebellen ist abgeschlossen, teilen die Vereinten Nationen mit.

Die vollständige Chronologie finden Sie hier

So hilft unser Projektpartner Benposta

  • Die oft schwer traumatisierten Kinder werden therapeutisch begleitet und erfahren einen strukturierten Alltag ohne Angst.
 So finden sie nach und nach wieder zu sich selbst und können – häufig nach mehrjähriger Unterbrechung des Schulbesuchs – die zu Benposta gehörende Schule mit speziell ausgebildeten Lehrern besuchen.

  • Ein Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Friedenserziehung und Gewaltprävention.

  • Großer Wert wird auch auf Selbstorganisation und Partizipation gelegt: Die Kinder und Jugendlichen organisieren ihren Alltag selbst und wählen einen eigenen „Bürgermeister“ für ihre 
„Stadt der Kinder“. So lernen sie, wie Demokratie funktioniert und was es heißt, die eigene Gesellschaft mitzugestalten.

  • Jedes Kind bleibt so lange bei der Organisation, bis die Rückkehr in seinen Heimatort möglich ist. Oft sind die Kinder so sehr in den Konflikt verwickelt, dass sie mehrere Jahre in den Zentren bleiben müssen. In dieser Zeit werden sie von ihren Eltern besucht und unterstützt.

  • Der zweite Pfeiler der Arbeit von Benposta ist die Betreuung von Kindern und Jugendlichen innerhalb einer Gemeinde. Die Organisation versucht dabei vor allem, die Zwangsrekrutierung gefährdeter Kinder durch eine der Konfliktparteien zu verhindern. In Zusammenarbeit mit anderen NGOs und den jeweiligen Bistümern werden Kinder in vorläufige Pflegefamilien aufgenommen und besuchen eine nahgelegene Schule.