Inhalt

Ukraine

Kinder auf der Suche nach Heimat

Wo seine Eltern sind, weiß Konstantin nicht. Gemeinsam mit seiner Oma, seiner Uroma und seinen zwei Schwestern Sascha und Diana ist er aus dem Osten der Ukraine nach Drohobytsch im Westen des Landes geflohen. Der Krieg und die Gewalt dort haben sie vertrieben. „Jeden Tag wurde gekämpft. Es krachte und donnerte von morgens bis abends“, erinnert sich Konstantin.

Von den Eltern getrennt

Nun kümmert sich die Oma um die drei Kinder – und um die blinde Uroma. Gemeinsam leben die fünf in einem Zimmer, das so heruntergekommen ist, dass der Vermieter keine Miete verlangt. Noch immer zucken die Kinder zusammen, wenn der Strom ausfällt oder sie ein lautes Geräusch hören. „Am schlimmsten war die Angst in der Silvesternacht. Als das Feuerwerk losging, haben sie geweint und geschrien und ließen sich nicht mehr beruhigen“, erzählt Konstantins Großmutter. Von ihr hat er ein Meerschweinchen bekommen, weil er großes Heimweh hat und seine Freunde von früher so sehr vermisst. „Meerschweinchen sind toll“, sagt Konstantin, „aber sie ersetzen meine Freunde nicht.“

Der Krieg in der Ukraine hat bislang 2,6 Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Rund 1,7 Millionen haben als Binnenflüchtlinge im eigenen Land Schutz gesucht. So auch Konstantin und seine Familie.

Ein neues Zuhause für die Kinder

Um die von Krieg und Flucht traumatisierten Kinder sozial und emotional zu stärken, hat die Caritas der Diözese Drohobytsch ein eigenes Programm ins Leben gerufen. Im Zentrum der Caritas haben Konstantin und seine Schwestern bereits Freunde gefunden. Dort kümmern sich Psychologen und Seelsorger um die Flüchtlingskinder. Sie erhalten psychologische Hilfe, um ihre Traumata zu überwinden und können mit anderen spielen und basteln.

Die Psychologin Uljana Popova weiß, wie schwierig die Situation für die Kinder in der Schule ist. „In ihren neuen Klassen sind sie isoliert und haben große Probleme, Freunde zu finden.“ Denn die meisten Flchtlingskinder sprechen Russisch, weil sie aus dem Teil der Ukraine stammen, in dem Russisch gesprochen wird. In der Schule in Drohobytsch wird aber Ukrainisch gesprochen. Das führt oft zu Diskriminierung, weil die ortsansässigen Kinder die Flüchtlingskinder für Russen halten. Im Caritas-Zentrum bekommen sie deshalb auch Sprachunterricht.

Zudem können sich die Jungen und Mädchen in Ferienlagern erholen und ihre Alltagssorgen für einige Zeit vergessen. Sie lernen Teamgeist und Zusammenhalt kennen und fassen neues Vertrauen – ein erster Schritt in eine bessere Zukunft.