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Ein Jahr nach dem Wirbelsturm Idai

Ein neues Zuhause für Jesue

Vor einem Jahr, in der Nacht zum 15. März 2019, traf der Wirbelsturm „Idai“ auf die Küste Mosambiks und verwüstete weite Teile des ostafrikanischen Landes sowie der Nachbarländer Simbabwe und Malawi. Rund 1000 Menschen verloren ihr Leben, viele wurden obdachlos, große Teile der Ernte wurden vernichtet. Nur wenige Wochen später traf der Zyklon „Kenneth“ erneut Mosambik. Das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ reagierte damals mit einer Nothilfe in Höhe von 100.000 Euro.

Jesue und seine Familie hat der Wirbelsturm Idai in Mosambik vor einem Jahr schwer getroffen. Ihr Zuhause, ein kleines Haus im Slumviertel am Strand von Praia Nova in der Hauptstadt Beira, wurde stark beschädigt. Viele andere Familien haben alles verloren. Ihre Hütten wurden samt Hab und Gut vollständig von dem Wirbelsturm mitgerissen. Sie standen vor dem Nichts. Mit Hilfe des Sternsinger-Projektpartners Sant’Egidio konnte Jesues Familie ihr Häuschen mit einigen gespendeten Baumaterialien mittlerweile wieder notdürftig aufbauen.

So helfen die Sternsinger-Partner

Zudem betreibt Sant’Egidio in unmittelbarer Nähe zu Praia Nova ein Ernährungszentrum. Dort bekommen bedürftige Kinder wie Jesue und seine zwei Geschwister eine warme Mahlzeit am Tag. Zur Essensausgabe kommen mittags rund 850 Kinder und Jugendliche, drei Mal so viele wie vor dem Wirbelsturm. Viele von ihnen leben in dem Slumviertel Praia Nova. 100 davon sind Straßenkinder.

Jesue und seine Geschwister sind froh, dass sie wieder zur Schule gehen können, doch auch der Schulbetrieb ist noch sehr provisorisch. Die Kinder werden in drei Schichten unterrichtet und sind so jeweils nur wenige Stunden in der Schule. Immer wieder kommt es vor, dass der Unterricht gar nicht stattfinden kann, weil es durch das provisorische Dach aus Planen regnet. Doch nicht nur der Wiederaufbau gestaltet sich schwierig. Auch fehlende Nahrung ist immer noch ein großes Problem. Und das wird sich auch weiter verschärfen. Daher sind Familien wie die von Jesue nach wie vor dringend auf Hilfe angewiesen.

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„Viele Kinder haben nicht nur ihr Zuhause, sondern auch ihre Familie verloren"


Sternsinger-Länderreferentin Gesine Henrichmann ist Ende Februar von ihrer zweiwöchigen Reise aus Mosambik und Simbabwe zurückgekehrt. Im Interview berichtet sie von der Arbeit der Partner vor Ort, von schwer traumatisierten Kindern und einem nur langsam voranschreitenden Wiederaufbau.

Frau Henrichmann, vor einem Jahr sorgte der Zyklon „Idai“ für schwere Verwüstungen und große Überschwemmungen. Wie sieht es aktuell vor Ort aus?

Ich habe Menschen getroffen, die alles verloren haben, die immer noch kein Dach über dem Kopf haben. In der Küstenstadt Beira in Mosambik mit rund 500.000 Einwohnern sind die Folgen der Katastrophe noch immer sichtbar: Viele Häuser sind zum Teil nur provisorisch wieder aufgebaut, die Dächer bestehen nur aus Planen, Bäume sind entwurzelt und Straßen zerstört. Ein Slumviertel an der Küste Mosambiks wurde besonders stark getroffen und überschwemmt. Die Familien dort haben sich aus Häuserresten kleine behelfsmäßige Schutzräume gebaut. Es ist schlimm, in welchen Verschlägen die Menschen leben müssen. Andere Familien wurden nach der Zerstörung durch Zyklon „Idai“ umgesiedelt und leben seit einem Jahr in Zeltlagern, weil ihr Dorf komplett zerstört wurde. Davon waren vor allem Fischer von der Küste Mosambiks betroffen, die ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Diese Menschen warten jetzt darauf, dass ihnen Land zugewiesen wird, auf dem sie neue Häuser bauen können. Diese Wartesituation ist für die Menschen nicht leicht. Sie wollen, dass es voran und weiter geht.

Der Wiederaufbau geht also nur sehr schleppend voran?

An einen Wiederaufbau von Gebäuden und Infrastruktur ist erst jetzt – ein Jahr nach dem Wirbelsturm – überhaupt zu denken. Bislang ging es in erster Linie darum, dass die Menschen überleben und mit dem Nötigsten versorgt werden. Aktuell wird Baumaterial benötigt, um Straßen, Häuser und Schulen nach und nach aufzubauen. Der Schulunterricht kann teilweise nicht stattfinden, weil es durch das provisorische Dach aus Planen regnet. Doch nicht nur der Wiederaufbau ist wichtig. Auch fehlende Nahrung ist immer noch ein großes Problem, vor allem in den ländlichen Regionen. Und das wird sich auch weiter verschärfen.

Warum rechnen Sie mit einer Verschärfung der Ernährungslage?

Der Zyklon hat ganze Landesteile überschwemmt und beinahe die gesamte Ernte vernichtet. Im Oktober vergangenen Jahres gab es dann eine lange Dürreperiode, im Januar dieses Jahres fraßen Heuschreckenschwärme alles kahl und im Februar gab es starke Regenfälle. Diese extremen Wetterbedingungen verschlimmern die Ernährungssituation, weil bei der nächsten Ernte im Mai mit sehr schlechten Erträgen zu rechnen ist.  

Julia Fobra von Sant'Egidio Beira

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Wie hilft das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ den Menschen in Ostafrika?

Das Spektrum unserer Hilfsmaßnahmen ist breit. Gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort stellen wir Nahrungsmittel bereit, helfen den Menschen mit Medikamenten und sauberem Trinkwasser, und unterstützen beim Wiederaufbau von Gebäuden. Unmittelbar nach der Katastrophe im vergangenen Jahr hat das Kindermissionswerk 100.000 Euro für Nothilfemaßnahmen bereitgestellt. Damit konnten wir unsere Partner in die Lage versetzen, die Menschen mit dem Nötigsten wie Nahrungsmittel, Medikamente oder Decken zu versorgen. In einem Schulinternat in Mosambik, das stark von „Idai“ zerstört wurde, haben wir neue Sanitäranlagen bauen können. In einer Missionsstation unseres Partners Esmabama bauen wir eine zerstörte Schule neu auf und versorgen die vom Zyklon betroffenen Familien mit Essen und Trinken. Gemeinsam mit unserem Partner Sant'Egidio unterstützen wir in der vom Zyklon schwer getroffenen Küstenstadt Beira ein Gesundheitszentrum für HIV- und Aids-Patienten sowie ein Ernährungszentrum. Rund 850 Kinder bekommen dort eine warme Mahlzeit am Tag und es werden  Lebensmittel und Trinkwasser ausgegeben. In Simbabwe helfen wir den Dominikanerschwestern, die in ihren Nothilfezentren die Menschen, vor allem Kinder und Mütter, mit dem Nötigsten versorgen.

Kinder sind von Katastrophen und Krisen häufig besonders stark betroffen. Haben Sie das bei Ihrer Reise beobachten können? 

Ja, viele Mädchen und Jungen haben Schreckliches erlebt und sind schwer traumatisiert. Das spürt man, wenn man sie trifft. Sie haben diese Katastrophe hautnah miterlebt, haben gesehen, wie ihr Bruder, ihre Schwester oder ihre Mama von den Fluten mitgerissen wurden. Sie haben aber nicht nur ihre Liebsten, sondern auch ihr Zuhause und damit Schutz und Geborgenheit verloren. Und die Angst ist immer noch da: Sobald es stärker regnet und stürmt, ist die Furcht groß, dass ein neuer Zyklon noch mehr Leid über sie bringen könnte.

Wie haben die Menschen die Katastrophe vor einem Jahr erlebt?

Die Menschen haben mir Erschreckendes erzählt. In Simbabwe berichteten mir die Bewohner eines Dorfes von einer 300 Meter breiten und mehrere Kilometer langen Schlamm- und Steinlawine, die ganze Häuserreihen mitriss. 260 Menschen verloren ihr Leben, 250 von ihnen konnten bis heute nicht geborgen werden. Der Erdrutsch traf auch ein Internat. Der Speisesaal wurde komplett zerstört, im Schlafsaal wurden die Kinder von der Lawine überrascht, zwei Jungen starben. 1,50 Meter hoch steht der Schlamm nun in dem Schlafsaal. Heute wirken die Reste der Lawine wie ein Mahnmal, das die Bewohner immer an diese schreckliche Nacht, als der Zyklon auf Land traf, erinnern wird. Es gibt unzählige dieser schlimmen Schicksale. Ein Vater schilderte mir, wie er nur eines seiner drei Kinder vor den Fluten retten konnte. Bei den beiden anderen musste er mit ansehen, wie sie von der Wassermassen weggespült wurden. Seine Frau überlebte, hat aber sichtbar schwere Verletzungen davongetragen. Eine andere Frau hat zwei Tage lang auf einem Baum ausharren müssen, weil sie von den Wassermassen eingeschlossen war und die starken Fluten keine Rettung zuließen.

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