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Schwerpunkt Flucht

„Zuerst verringerten wir die Essensportionen, dann haben wir Eltern eine Mahlzeit übersprungen, aber zuletzt reichte es für alle nur noch zu einer Mahlzeit am Tag“, erzählt Maria Sosa. Die Mutter von drei Kindern ist mit ihrer Familie aus ihrem Heimatland Venezuela geflohen, weil sie dort keine Perspektive mehr gesehen hatte: Korruption, Hyperinflation und Misswirtschaft haben zu Enteignung und gleichzeitig zu hohen Essenspreisen geführt. Die Gesundheitsversorgung für Kinder und Schwangere ist katastrophal. Mittlerweile haben 5,4 Millionen Menschen Venezuela verlassen.

Schätzungen zufolge befinden sich 82,4 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Im Vergleich dazu waren es in 2014 noch 59,5 Millionen Menschen, vor über zehn Jahren zehn Millionen Menschen. Auf der Suche nach Schutz nehmen Flüchtlinge oft gefährliche Wege in Kauf. Nicht selten müssen sie ihre Heimat überstürzt und ohne Dokumente verlassen. Häufig bezahlen Flüchtlinge die Reise in eine bessere Zukunft nicht nur mit viel Geld, sondern auch mit ihrem Leben. Entgegen der Annahme, Flüchtlinge suchten vor allem in Europa Schutz und Aufnahme, flüchten die meisten Menschen entweder in angrenzende Länder oder bleiben Binnenvertriebene im eigenen Land. Laut UN-Angaben gibt es derzeit 48 Millionen Binnenflüchtlinge.

In den meisten Fällen sind es Kriege und Bürgerkriege, die Menschen zur Flucht zwingen. Oft werden Menschen jedoch auch wegen ihrer Religionszugehörigkeit oder ethnischen Herkunft verfolgt. Mit der globalen Erwärmung nehmen auch extreme Wetterereignisse und Naturkatastrophen zu und mit ihnen die Zahl der so genannten Klimaflüchtlinge­.

Flüchtling oder Migrant - gezwungene oder „freiwillige“ Flucht

Auch aus wirtschaftlichen Gründen verlassen zahlreiche Menschen ihre Heimat. In der Hoffnung auf eine gut bezahlte Arbeit und bessere Zukunftschancen gehen sie in ein anderes Land. Das Asylrecht erkennt sie jedoch nicht als Flüchtlinge an. Völkerrechtlich wird unterschieden zwischen Menschen, die fliehen müssen, weil ihr Heimatland sie nicht mehr schützen kann oder will, und Migranten, die „freiwillig“ ihre Heimat verlassen. Jedes Jahr machen sich tausende Menschen aus Afrika südlich der Sahara auf den Weg nach Europa. Auch die sogenannten „boatpeople“, die sich in kleinen Booten von der afrikanischen Küste auf den Weg nach Europa machen, werden rechtlich meist als Migranten angesehen.

Die Einstufung als Flüchtling oder Migrant hat Auswirkungen auf den rechtlichen Status im Ankunftsland. Während Staaten bei Migranten weitgehend frei über deren Aufnahme entscheiden können und Asylanträge in den meisten Fällen abgelehnt werden, sind sie durch internationale Abkommen verpflichtet, den Schutz von Flüchtlingen sicherzustellen. Bis heute ist die Genfer Flüchtlingskonvention das wichtigste internationale Dokument für den Flüchtlingsschutz. Darin ist festgelegt, wer ein Flüchtling ist und welchen Rechtsschutz, welche Hilfe und welche sozialen Rechte dieser von den Unterzeichnerstaaten erhalten sollte. Gleichzeitig definiert die Konvention die Pflichten eines Flüchtlings im Gastland. Bisher sind 149 Staaten der Genfer Flüchtlingskonvention beigetreten.

Die Hälfte aller Vertriebenen weltweit sind Kinder

Laut UN-Angaben waren im Jahr 2020 42 Prozent der Vertriebenen weltweit unter 18 Jahren. Dazu zählen geflüchtete und asylsuchende Kinder sowie Mädchen und Jungen, die innerhalb des eigenes Landes vetrieben worden sind (Binnenflüchtlinge). Viele von ihnen sind von ihren Familien getrennt, haben keinen Zugang zu Bildung und Gesundheitsvorsorge und leiden oftmals an Mangelernährung. Die Gefahr, diskriminiert oder missbraucht zu werden, ist groß. Die Auswirkungen der Flucht prägen die Kinder und Jugendlichen langfristig und können ihnen körperlichen, geistigen und psychischen Schaden zufügen. Darum sind sie besonders zu schützen. 

SO HILFT DAS KINDERMISSIONSWERK

Geflüchtete Kinder und Jugendliche befinden sich in einer unsicheren und instabilen Lebenssituation. Sie haben Schlimmes erlebt, sind häufig alleine unterwegs und brauchen daher das Gefühl von Geborgenheit und Personen, denen sie vertrauen können. In Uganda kümmert sich unser Projektpartner "Agape Pendo La Mung" um unbegleitete Kinder, indem er ihnen Unterkünfte stellt, Schulgebühren bezahlt und ihnen beim Lernen hilft. Psychologisch ausgebildete Betreuer begleiten die Kinder, die oftmals traumatisiert sind. In Kolumbien bietet unser Projektpartner Benposta geflüchteten Kindersoldaten therapeutische Begleitung und führt sie in einen strukturierten, sicheren Alltag. Flüchtlingsfamilien im Libanon versorgt der Sternsinger-Projektpartner Beit-El-Nur mit Kleidung, Lebensmitteln und Medikamenten. Auch hier ist psychologische Betreuung ein wichtiger Aspekt. 

Unsere Hilfe für Flüchtlingskinder umfasst außerdem:

  • Bildung: Dank der Hilfe der Sternsinger können Flüchtlingskinder zur Schule gehen. So werden etwa die Kosten für den Schulbesuch und das Schulmaterial durch die gesammelten Spenden der Sternsinger finanziert. Zudem erhalten geflüchtete Kinder eine Ausbildung, Friedenserziehung und Sprachkurse.
  • Vermittlung zwischen Schulen und Flüchtlingsfamilien
  • psychologische Betreuung und psycho-soziale Begleitung
  • Bereitstellung von Unterkünften
  • Rechtsberatung von Familien
  • Hilfe bei der Lebensmittelversorgung; Verteilen von Kleidung, Decken, etc.
  • Aktionen gegen die Diskriminierung von Flüchtlingen
  • medizinische Versorgung

Kinder auf der Flucht

Warum müssen Menschen fliehen? Inwiefern sind Kinder, die ihre Heimat verlassen mussten, besonders gefährdet? Wie wirkt sich die Flucht auf ihr seelisches Befinden und ihre Entwicklung aus? Welche Unterstützung brauchen sie, und wie hilft ihnen das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘? Wie ergeht es Flüchtlingskindern bei uns in Deutschland? Antworten auf diese Fragen bietet das Dossier mit Beiträgen von Fachleuten und Projektpartnern.