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Am 20. November 2019 wird die Kinderrechtskonvention 30 Jahre alt. Petra Schürmann, Grundsatzreferentin beim Kindermissionswerk ,Die Sternsinger', zieht Bilanz.

„Kinder stärken heisst Armut bekämpfen“

30 Jahre Kinderrechte – was hat sich für die Kinder verbessert?
Es gehen mittlerweile wesentlich mehr Kinder in die Schule. Es sterben halb so viele Kinder unter fünf Jahren an vermeidbaren Krankheiten. Es sind 94 Millionen weniger Kinder, die arbeiten müssen. Kinder wissen heute, dass sie eigene Rechte haben. Das war vor 30 Jahren nicht der Fall. Kinder erhalten den Nobelpreis für ihr Engagement und Tausende gehen auf die Straße um ihr Recht für eine lebenswerte Zukunft einzufordern. Das sind wirklich gute Nachrichten und das ist ein Grund zu feiern. Nun dürfen diese positiven Fakten und Zahlen nicht über konkrete Probleme und schlechte Lebenswirklichkeiten von Millionen Kindern und Jugendlichen hinwegtäuschen.

Wo gibt es noch Aufholbedarf?
Einige Länder haben viel in der Umsetzung der Kinderrechte erreicht. In anderen Ländern jedoch werden Kinderrechte Tag für Tag durch Gewalt, Ausbeutung, Benachteiligung und Vernachlässigung erheblich verletzt. Besonders in schwachen Staaten, in Kriegs- und Krisenregionen werden Kinderrechte „mit Füßen getreten“. Dort, wo keine Menschenrechte gelten, haben auch Kinderrechte keine Chance auf Umsetzung. Wer Kinderrechte stärken will, muss mehr in die Armutsbekämpfung investieren, ein unabhängiges Rechtswesen fördern und Sozialprogramme stärken. Wir müssen das Bewusstsein schärfen, dass Kinder besonderen Schutz, engagierte Förderung und echte Partizipation bei den Entscheidungen, die sie betreffen, benötigen.

Was können wir tun, um Kinderrechte zu stärken?
Kinderrechte stärken heißt immer: Kinder stärken. Zentral ist es, das Kindeswohl ins Zentrum unseres Denkens und Handelns zu rücken. Kinder sind Gesprächspartner, Entscheidungsträger, aber auch Schutzbefohlene. Sie brauchen Erwachsene, die Zeit haben sie zu fördern und herauszufordern. Sie brauchen zudem offene Augen und Ohren, die wahrnehmen, wenn sie misshandelt oder missbraucht werden. Denn durch Wegsehen im Alltag, Scheu vor Parteinahme und ungerechte Strukturen, entstehen täglich, auch bei uns in Deutschland, Unrecht und Kinderrechtsverletzungen.

Was macht das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger’, um Kinderrechte zu stärken und umzusetzen?
Fördern – schützen – beteiligen: das sind die Kernbereiche der Kinderrechte. Nach diesem Grundsatz unterstützen wir weltweit Kinder- und Jugendprojekte. Dies geschieht beispielsweise durch unsere vielfältigen Bildungs- und Gesundheitsprogramme. Konsequenter Kindesschutz im eigenen Haus und in den Einrichtungen unserer Projektpartner schützen vor Gewalt und Missbrauch. Weiterhin fördern wir Projekte, die die Eigeninitiative, das Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit von jungen Menschen fördern. Netzwerkaktivitäten, die das Ziel haben, Kräfte zu bündeln und Kindern eine starke Stimme zu verleihen, zählen ebenfalls zu unseren Aufgaben.