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Rund 65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht

Mehr Flüchtlinge als je zuvor

Auf der Suche nach Schutz nehmen Flüchtlinge oft gefährliche Wege in Kauf. Häufig bezahlen Flüchtlinge die Reise in eine bessere Zukunft mit ihrem Leben.

Laut UNHCR galten 2016 weltweit rund 65,6 Millionen Menschen als Flüchtlinge. Im Vergleich dazu waren es ein 2014 noch 59,5 Millionen Menschen, vor zehn Jahren zehn Millionen Menschen. Auf der Suche nach Schutz nehmen Flüchtlinge oft gefährliche Wege in Kauf. Nicht selten müssen sie ihre Heimat überstürzt und ohne Reisedokumente verlassen. Häufig bezahlen Flüchtlinge die Reise in eine bessere Zukunft nicht nur mit viel Geld, sondern mit ihrem Leben. Entgegen der häufigen Annahme, Flüchtlinge suchten vor allem in Europa Schutz und Aufnahme, flüchten die meisten Menschen entweder in angrenzende Länder oder bleiben Binnenvertriebene im eigenen Land. Derzeit gibt es 40,3 Millionen intern Vertriebene.

In den meisten Fällen sind es Kriege und Bürgerkriege, die Menschen zur Flucht zwingen. Oft werden Menschen jedoch auch wegen ihrer Religionszugehörigkeit oder ethnischen Herkunft verfolgt. In den letzten Jahren sind mindestens 15 neue Konflikte ausgebrochen oder wieder aufgeflammt: Acht davon in Afrika (Elfenbeinküste, Zentralafrikanische Republik, Libyen, Mali, Nordost-Nigeria, Südsudan und Burundi); drei im Nahen Osten (Syrien, Irak und Jemen); einer in Europa (Ukraine) und drei in Asien (Kirgisistan und in einigen Gebieten von Myanmar und Pakistan). Nur wenige Krisen konnten beigelegt werden, die Mehrzahl verursacht weiterhin Flucht und Vertreibung. So konnten vergangenes Jahr nur 552.200 Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren – etwa doppelt so viele, wie im Jahr 2015 und hauptsächlich nach Afghanistan. Mit der globalen Erwärmung nehmen auch extreme Wetterereignisse und Naturkatastrophen zu und mit ihnen die Zahl der so genannten Klimaflüchtlinge. Eine UN-Studie prognostiziert, dass im Jahr 2025 rund 40 Prozent der Weltbevölkerung ständig von Überschwemmungen, Stürmen und anderen Naturkatastrophen heimgesucht wird.

Flüchtling oder Migrant - gezwungene oder „freiwillige“ Flucht

Auch aus wirtschaftlichen Gründen verlassen zahlreiche Menschen ihre Heimat. In der Hoffnung auf eine gut bezahlte Arbeit und bessere Zukunftschancen gehen sie in ein anderes Land. Das Asylrecht erkennt sie jedoch nicht als Flüchtlinge an. Völkerrechtlich wird unterschieden zwischen Menschen, die fliehen müssen, weil ihr Heimatland sie nicht mehr schützen kann oder will und Migranten, die "freiwillig" ihre Heimat verlassen. Jedes Jahr machen sich tausende Menschen aus Afrika südlich der Sahara auf den Weg nach Europa. Auch die sogenannte „boatpeople“, die sich in kleinen Booten von der afrikanischen Küste auf den Weg nach Europa machen, werden rechtlich meist als Migranten angesehen.

Die Einstufung als Flüchtling oder Migrant hat Auswirkungen auf den rechtlichen Status im Ankunftsland. Während Staaten bei Migranten weitgehend frei über deren Aufnahme entscheiden können und Asylanträge in den meisten Fällen abgelehnt werden, sind sie durch internationale Abkommen verpflichtet, den Schutz von Flüchtlingen sicherzustellen. Bis heute ist die Genfer Flüchtlingskonvention das wichtigste internationale Dokument für den Flüchtlingsschutz. Darin ist festgelegt, wer ein Flüchtling ist und welchen Rechtsschutz, welche Hilfe und welche sozialen Rechte dieser von den Unterzeichnerstaaten erhalten sollte. Gleichzeitig definiert die Konvention die Pflichten eines Flüchtlings im Gastland. Bisher sind 147 Staaten der Genfer Flüchtlingskonvention beigetreten.

Mehr Asylanträge in Deutschland als in jedem anderen Land

Für die Industriestaaten war bereits 2015 ein Rekordjahr, was die Zahl der gestellten Asylanträge betrifft: Insgesamt wurden zwei Millionen Anträge registriert. 2016 sollte sich an dieser Zahl nichts ändern. In Deutschland wurden bereits im Vorjahr mit 441.900 Anträgen mehr Asylanträge gestellt als in jedem anderen Land. 2016 steigerte sich die Anzahl der Anträge erneut auf 722.400. Dies ist vor allem auf die Bereitschaft Deutschlands zurückzuführen, Flüchtlinge aufzunehmen, die über das Mittelmeer nach Europa kamen. Die Vereinigten Staaten verzeichneten die zweithöchste Zahl von Asylanträgen (262.000) und auch in Italien (123.000) und in der Türkei (78.600) wurde 2016 eine signifikante Zahl von Anträgen registriert.


Quelle: UNHCR – Global Trends 2016, Stand 20.6.2017

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