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Hand in Hand auf dem Weg zum Frieden

Israel: Eine Schule für Toleranz

In der Hand-in-Hand-Schule in Jerusalem sitzen arabische und jüdische Kinder nebeneinander und lernen zweisprachig. Doch vor allem lernen sie, keine Angst voreinander zu haben. Tulip und Ayelet sind beste Freundinnen. Die beiden Elfjährigen kennen sich schon seit dem Kindergarten. Heute sitzen sie in allen Schulstunden nebeneinander.

Kein Wunder, dass die beiden dieselben Fächer mögen oder dass die eine loskichert, sobald die andere etwas sagt. Ein kleines Wunder dagegen ist es, dass sie so gute Freundinnen sind, ja dass sie sich überhaupt erst kennengelernt haben: Denn Tulip ist Araberin und Ayelet ist Jüdin. Aufgrund des über 70 Jahre anhaltenden Konflikts in Israel haben viele Juden Angst vor Arabern und viele Araber Angst vor Juden. Auch die Kinder spüren diese Angst und manchmal sogar den Hass.

Die meisten jüdischen Kinder in Israel gehen auf jüdische Schulen und die meisten arabischen Kinder auf arabische Schulen. Dass sie sich nicht kennenlernen, schürt die Angst voreinander. Aber Ayelet und Tulip besuchen eine besondere Schule in Jerusalem: die Hand-in-Hand-Schule, gegründet vom Zentrum für jüdisch-arabische Bildung in Israel mit Sitz in Jerusalem, das vom Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ seit mehreren Jahren unterstützt wird. Sechs solcher Schulen gibt es inzwischen im ganzen Land, und sie sind ein Hoffnungsschimmer. Vom Kindergarten an lernen arabische und jüdische Kinder hier gemeinsam – und zwar abwechselnd auf Hebräisch und Arabisch.

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Ein mutiger Schulbesuch

Es braucht durchaus Mut, die Hand-in-Hand-Schule zu besuchen. Das haben die beiden Mädchen selbst erlebt. „Es ist schwierig, meinen anderen Freunden zu erklären, was wir hier machen“, sagt Ayelet. „Was, du lernst wirklich mit Arabern?“, fragen die dann. Und Ayelet antwortet: „Natürlich! Und meine beste Freundin heißt Tulip!“ Dieser geht es genauso: „Sie haben es eben selbst nicht erlebt, dass man zusammen zur Schule geht.“

Unter den 700 Schulkindern sind neben Muslimen und Juden auch Christen und einige Kinder, deren Familien zur Religionsgemeinschaft der Drusen gehören. Daher gibt es neben den üblichen Fächern auch Kurse zu den unterschiedlichen Religionen. Denn um einander kennenzulernen, ist es wichtig, zu verstehen, welche Feste der andere feiert und welche Traditionen sein Leben bestimmen.

Tulip und Ayelet sind sehr zufrieden mit ihrem Alltag, auch wenn er etwas anstrengender ist als an den staatlichen Schulen mit dem vielfältigen Religionsunterricht, dem doppelten Sprachunterricht und dem ausführlichen Geschichtsunterricht, der keine einseitige Sicht auf die konfliktreiche Geschichte des Landes vermitteln möchte, sondern beide Perspektiven berücksichtigt.

"Juden und Araber weigern sich, Feinde zu sein"

Ein Konzept, das auch Missgunst hervorruft. Vor einigen Jahren wurde in der Schule nachts ein Brand gelegt und Wände mit rassistischen Sprüchen besprüht. Doch Eltern, Kinder, Lehrer und viele andere strömten am gleichen Tag zur Schule und zeigten ganz Israel, dass sie sich nicht unterkriegen lassen. Die Kinder malten ein riesiges Plakat, das vor der Schule aufgehängt wurde. Darauf stand: „Juden und Araber weigern sich, Feinde zu sein!“

Text: Agnes Fazekas ist freie Journalistin und lebt in Tel Aviv.

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