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Konferenz im Kindermissionswerk für die Menschen im Grenzgebiet des Sudan gestartet

Sudan: Der vergessene Konflikt

Der Bürgerkrieg im Sudan und Südsudan gehört zu den Konflikten, die in den deutschen Medien kaum Beachtung finden. Umso wichtiger sind Veranstaltungen wie diese: Am Montag, 28. November 2016, startete im Kindermissionswerk ,Die Sternsinger‘ in Aachen eine dreitägige Konferenz mit Vertretern katholischer Hilfswerke aus Europa. Sie hat das Ziel, die Opfer des fast vergessenen Konflikts wieder in den Fokus zu rücken und zu beraten, wie den Kindern und ihren Familien vor allem in den Nuba-Bergen, einer Grenzregion zwischen Sudan und Südsudan, geholfen werden kann.

Die Organisation, die in der Region auch mit Unterstützung der Sternsinger überhaupt noch aktiv ist, ist die „Bischop Gassis Relief and Rescue Foundation“ (BGREF). An ihrer Spitze der Namensgeber: Bischof em. Macram Max Gassis, und der fand beim Treffen in Aachen deutliche Worte: „Niemand interessiert sich wirklich für den Sudan, weil wir nichts zu geben haben. Aber wir haben Menschen, wir haben wundervolle Menschen.“

Kinder leiden unter den Folgen des Krieges

1,3 Millionen Menschen leben in der Region, davon sind ungefähr die Hälfte Kinder. Seit der Unabhängigkeit des Südsudan terrorisiert die nordsudanesische Regierung die pro-südsudanesische Bevölkerung der Nuba-Berge immer wieder durch Bombenangriffe auf zivile Ziele. Das „Mother of Mercy“-Krankenhaus in Gidel, das einzige Krankenhaus der Region, kommt mit der Behandlung der Kriegsverletzten und der unter Mangelernährung leidenden Kinder nicht mehr nach.

Das Gebiet ist äußerst schwierig zu erreichen und von lokalen Märkten abgeschnitten. Alle Güter, auch medizinische Geräte und Materialien für das Krankenhaus, müssen im Ausland beschafft und über Kenia eingeführt werden. Die Basisversorgung sowie die Nothilfe durch internationale Organisationen, zum Beispiel die bekannten Einrichtungen der Vereinten Nationen, sind aus politischen Gründen nahezu zum Erliegen gekommen. Fast ausschließlich die Stiftung des Bischofs kann die Menschen in der umkämpften Region noch erreichen.

Und das mit der Unterstützung des Kindermissionswerks ‚Die Sternsinger’: seit 2014 hat es Projekte mit insgesamt 1,16 Millionen Euro gefördert, unter anderem Impfprogramme, Schulbildung und die Notfallbehandlung von Kindern und deren Familien am „Mother of Mercy“-Krankenhaus.

Botschaft an die Betroffenen: „Ihr seid nicht vergessen“

Drei Tage nehmen sich die Vertreter der BGREF und der katholischen Hilfswerke aus Europa Zeit, um weitere Hilfen zu planen – in der Hoffnung, dass der blutige Konflikt um Macht und Ressourcen bald ein Ende findet. Zehntausende Menschen haben ihr Leben verloren, weit über zwei Millionen sind aus ihrer Heimat geflüchtet. Darauf in Deutschland aufmerksam zu machen, sei auch ein Ziel der Konferenz, sagt Stefanie Frels, zuständige Länderreferentin im Kindermissionswerk: „Und auf der anderen Seite können unsere Partner zurückkehren und den Menschen sagen: Eure Probleme werden besprochen in Deutschland. Ihr seid nicht vergessen, ihr seid nicht abgehängt vom Rest der Welt.“

Hintergrund

Blutiger Krieg um Macht und Ressourcen

 

Der Südsudan ist ein noch sehr junger Staat in Afrika. Vorher eine autonome Region im Sudan, erlangte er am 9. Juli 2011 seine Unabhängigkeit. Doch Konflikte in der Regierung Ende 2014 führten zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die sich zu einem Bürgerkrieg ausweiteten. Zentrale Gegner des Konflikts sind Präsident Salva Kiir und sein ehemaliger Vizepräsident Riek Machar. Obwohl Vertreter der beiden größten Konfliktparteien im August 2015 einen Friedensvertrag unterzeichneten, eskaliert die Gewalt seitdem immer wieder. Im August 2016 soll Riek Machar nach einem Attentat ins Ausland geflohen sein. Im selben Monat wurden zusätzlich zu den bereits über 15.000 stationierten UN-Soldaten weitere 4.000 in das Land entsandt, um die blutigen Kämpfe zu beenden. Der Einsatz der Soldaten steht in der Kritik: Mehrfach sollen sie bei Gräueltaten nicht eingeschritten sein.

Immer wieder Angriffe auf Menschen in der Grenzregion

Kurz vor der offiziellen Unabhängigkeit des Südsudan brachen 2011 in der wegen ihrer Erdölvorkommen umstrittenen Grenzregion der Nuba-Berge schwere Kämpfe zwischen Streitkräften und Anhängern der sudanesischen Volksbefreiungsarmee Nord (SPLAM-N) aus. Seither terrorisiert die nordsudanesische Regierung die pro-südsudanesische Bevölkerung der Nuba-Berge immer wieder durch Bombenangriffe auf zivile Ziele. 

Südsudan: Geflüchtete Familien brauchen dringend Lebensmittel

„Wir riskieren einen Völkermord“

„Wir riskieren einen Völkermord im Südsudan. Schreiben sie das in großen Buchstaben, damit die internationale Gemeinschaft sofort eingreift, bevor es zu spät ist.“ Dieser dramatische Appell erreichte die katholische Nachrichtenagentur Fides aus dem Südsudan.

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